Montag, 30. Oktober 2017

Bedrückend schöne, verstörende Anti-Utopie: Blade Runner 2049


Vermutlich jeder, der die FAZ aufschlägt oder die Wirtschaftswoche oder wer auch immer den irrwitzigen Versuch unternimmt, sich vom heute-journal die Welt bebildern zu lassen, fragt sich: Leben wir mittendrin in einer Anti-Utopie? Können nur Dystopien unsere Gegenwart und Zukunft und die Medienrealität wahrhaftig abbilden?

Als Fan des ersten Blade Runner aus dem Jahr 1982 musste ich hinein in die Fortsetzung. Erwartet habe ich wenig, ein paar nette Bilder sollten es aber schon sein. Doch ich wurde sehr angenehm überrascht! Blade Runner 2049 ist eine würdige Fortschreibung des Originals. Ein Film voll eigenständigem und eigenwilligem Design, voller einzigartiger Bilder und mit viel Kraft. Mit erstklassigen Darstellern und Tiefe. Mein einziger Kritikpunkt: Der Film ist leider an der ein oder anderen Stelle zu brutal. Besser wäre es gewesen, wenn sich Regisseur Dennis Villeneuve und Executive Producer Ridley Scott auch in diesem Punkt dem Zeitgeist widersetzt hätten. Die Kunst der Andeutung scheint im allgemeinen Folter- und Blutstrom vollends in Vergessenheit zu geraten. Fortwährende Brutalisierung bleibt die Strategie unserer Medien, von Hollywood bis ARD und ZDF. Man will uns wohl vorbereiten, uns gewöhnen. An was?




Am Anfang des Trailers und des Spielfilms sehen wir Produkte der "synthetischen Landwirtschaft": fette, sich krümmende Maden. Es bleibt offen, ob unter den Treibhausgläsern auch Bio-Cantaloupe-Melonen aus der Region träumen? Freilandhaltung von Hühnern jedenfalls scheint in der vergifteten Erdatmosphäre schwer möglich.

In einer Sequenz schwirren Bienen durch den Film. Das gibt Hoffnung, denn seit Jahren sterben die Insekten. Unsere Scheiben und die Scheinwerfer der Autos bleiben rein. Keiner will wissen, warum. Auch nicht Monsanto [Link zum Eintrag in der Lobbypedia], Bayer und BASF. Obwohl ihre Insektenentferner- im Kontrast zu den Insektenvernichter-Sparten bestimmt leiden. Dabei hieß es noch vor wenigen Jahren, Insekten würden uns alle überleben. "Gott liebt die Käfer", sagte Jahrzehnte davor der schottische Biologe John Haldone und erklärte so die unglaubliche Käfervielfalt von über 350.000(!) Arten. Ob es so viele noch sind? Wie viele unentdeckte Arten sterben derzeit aus?

Über der unwahrscheinlich wahrscheinlichen Erde von Blade Runner 1 & 2 könnte das Raumschiff aus Silent Running / Lautlos im Weltraum (1972) kreisen.




Da passt noch eine andere, wirkliche Anti-Utopie hinein. In der Welt der Hohlo..., pardon Holo-Werbung, der der Blade Runner alias Ryan Gosling permanent ausgesetzt ist, wäre selbst "Mali" normal. Das YouTube-Machwerk der Bundeswehr. Der Mali-Trailer lief tatsächlich im Werbe-Vorprogramm des Kölner Cinedom. Fast dachte ich, der Hauptfilm hätte schon begonnen. Der "Bürger in Uniform" mutiert zum Söldner auf neokolonialen Schlachtfeldern. Die sogenannte Verteidigungsarmee sichert Rohstoffe und strategisch-wichtige Wüstenflecken (ist Ihnen auch aufgefallen, dass es äußerst wenig gibt, was strategisch unwichtig wäre). Beruhigend zu sehen, dass unsere Jungs gut drauf sind und Spaß an der Sache haben.  




Gut, dass es zurzeit der Aufstände der Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika, noch keine sogenannten "Social Media" gab. Ich bin sicher, etliche Medienmacher hätten sich nicht entblödet, reichlich Steuerzahlergeld für Propaganda für diesen Völkermord einzusacken.