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Donnerstag, 11. Januar 2018

"Alpha"-Journalismus bei ARD + ZDF? Oder gezielte Täuschung? Am Beispiel Militär-Ausgaben

Es gibt Momente, wo es dem Texter reicht. Was sind das für Journalisten, welche die ersten Seiten der Tagespresse sowie TV- und Hörfunk-Nachrichten mit Inhalten auffüllen? Bzw. befüllen tun sie meist gar nicht selbst, sondern sie übernehmen gern 1:1 von dpa, Associated Press, Reuters und von Militär- und Regierungsstellen. - Damit Sie meinen Ärger verstehen, stelle ich folgende Frage:

Wer gibt mehr aus für Rüstung? Russland oder die USA?


Was denken Sie? Beantworten Sie das gern aus dem Bauch heraus. Ich habe im Laufe der letzten Jahre einige Leute im Bekanntenkreis gefragt. Viele waren der Ansicht, Russland gäbe mehr oder ähnlich viel aus wie die USA. Andere waren verunsichert und wollten sich nicht festlegen. Ich darf so viel vorausschicken: Die Befragten, meist belesen und gebildet, und wir alle werden erschreckend schlecht und verzerrend informiert.

Die Frage, wer rüstet wie viel, ist elementar. Nur wenn wir wissen, wie viel ein Staat ausgibt, können wir einschätzen, ob er erpresserisch handeln oder gar einen Angriffskrieg planen könnte.

Zuerst die Fakten, ermittelt vom anerkannten Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI): Militärausgaben der Top 4, veröffentlicht im April 2017 für das Jahr 2016 [zum kostenlosen SIPRI-PDF mit den Details].

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Seit langer Zeit sind die USA weltweit mit großem Abstand führend beim Rüsten und Aufrüsten. 2016 hatten sie einen Anteil von 36%(!) an den globalen Militär-Ausgaben. Saudi-Arabien (31,75 Millionen Einwohner), dass einen menschenverachtenden Krieg im Jemen führt, der kaum im Fokus der Medien steht, gibt fast so viel aus wie Russland. | Diese Grafik erschien zuerst auf meinem Satire-Blog Skurrilen.de in einem Beitrag über den Militärisch-Industriellen Komplex [Infos über den MIK von der Bundeszentrale für politische Bildung]


Hätten Sie vermutet, dass sogar Frankreich und Deutschland gemeinsam 2016 mehr ausgaben als Russland? Zusammen waren es 96,8 Milliarden US-Dollar.

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Die 4 größten europäischen NATO-Staaten - darunter die beiden Atommächte Frankreich und Großbritannien - gaben 2016 gemeinsam 173 Milliarden US-Dollar für Rüstung aus. Hinzu kommen die Militärhaushalte von Spanien, den Niederlanden, Belgien, Polen, Rumänien, Tschechien, Portugal usw. Der größte Flächenstaat der Erde kann da nicht mithalten.


Die Zahlen von SIPRI werden eigentlich nie fundamental in Zweifel gezogen. Nun könnten Sie sagen, die Russen profitieren von niedrigeren Einkaufspreisen; sie erhalten für ihre Dollars mehr Waffen. Und Putin kann besser mit Geld umgehen. - Glauben Sie, dass Russland ca. 9-mal weniger für Kampfpiloten, für Jets und Handgranaten zahlen muss als die USA, die osteuropäischen NATO-Staaten oder die Türkei? Hinzu kommt: Truppenverlegungen sind im größten Flächenstaat der Erde kostspielig und zeitraubend. Material, Menschen und Logistik müssen den extremen Temperaturen Sibiriens, Zentralasiens und Nordosteuropas standhalten.

Russland hat auch keineswegs seinen Rücken frei. Schauen Sie sich das pazifische Russland an. Unter den angrenzenden Staaten ist auch das volkreichste Land der Erde und das - in US-amerikanischer Darstellung - völlig unberechenbare "Gaga"-Nordkorea.

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Komfortable Lage für Russland an seinen östlichen Grenzen? Oder eher das Gegenteil?


Wird von unseren Medien die Maus zum Elefanten aufgebläht? Nicht ganz: Russland hat ein enormes Atomwaffenarsenal. Das, soweit wir wissen, mit dem der USA mithalten kann. Aber gerade diese Atomwaffen können (wenn wir den bekannten Darstellungen vertrauen) nicht zuverlässig durch konventionelle Waffen abgewehrt werden.

Die Atommacht Frankreich und Deutschland sind ausschließlich umgeben von NATO- und EU-Mitgliedern und der Schweiz. In dieser idealen Situation geben beide Staaten gemeinsam trotzdem mehr für Rüstung aus als Russland. Wie viel mehr würden wir ausgeben, wenn wir an Nordkorea und China grenzen würden? Und wenn die USA und die anderen 28 NATO-Staaten ein Vielfaches investieren, führt dies nicht dazu, dass Russland gar nicht anders kann, als mitzurüsten?

News? Oder Gag-Show, bei der das Lachen im Halse stecken bleibt?


Sind unseren Nachrichtenschaffenden bei Tagesschau, heute-journal, Tagesthemen, WDR 2 etc. diese Basis-Zahlen und grundlegenden Fakten nicht vertraut? Ist bei ARD und ZDF noch unbekannt, dass ein Angreifer, wenn er halbwegs sicher gewinnen will, mehr ausgeben muss als der Verteidiger? Das wussten bereits vor 2000 Jahren die alten Römer, die für die USA Vorbild-Charakter haben. Berichten unsere Alpha-Journalisten trotzdem in der Regel so, dass Russland als Aggressor und Feindbild aufgebaut wird? Was meinen Sie? Falls dem so ist, warum und in wessen Interesse tun sie dies? Cui bono? Wem nutzt es?

Dass private Verleger ihre Meinung durch eingekaufte Journalisten kundtun, ist seit Jahrhunderten jedem mäßig aufmerksamen Zeitungsleser bekannt. Von Sendern, die nahezu ausschließlich von RentnerInnen, ArbeiterInnen, Angestellten und der Mittelschicht finanziert werden, sollten wir anderes erwarten.

Das Positive für uns alle: Falls wir mal nicht wissen, was wir wissen und meinen sollen - oder was wir gerade meinen und wissen dürfen - dann schauen wir die Tagesschau oder das heute-journal. Sie sind der speziell geeichte Gradmesser.

Das war ziemlich ernst. Wenn Sie schmunzeln wollen: Der Postillon schreibt zum Thema: Glaube an allmächtige russische Hacker als Religion anerkannt. Auch wenn uns der Mund offen steht, das Lachen und das Auslachen sollten wir uns noch nicht verbieten lassen.

Quelle für die Zahlen / Höhe der Militär-Ausgaben: SIPRI Fact Sheet April 2017, das zurzeit aktuellste SIPRI Fact Sheet zu diesem Thema. Das Nächste wird voraussichtlich im April 2018 erscheinen. Grafiken von mir. Die 1. Grafik erschien zuerst auf meiner Satire-Seite www.skurrilen.de